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"Persönlich kenne ich keinen Fotografen, welcher mit einem Spiegellinsenobjektiv
wirklich zufrieden ist und dies regelmäßig einsetzt, aber einige, welche Zuhause in der Schublade ein solches lagern."
(Zitat von Andreas Hurni)
Wer nach A. Hurni sucht, wird in Google schnell fündig. Er und seine Seite genießen bei mir
hohen Respekt.
Doch in einem Punkt hat er sich meiner Meinung nach getäuscht. Es gibt Fotografen, die mit ihrem Spiegel zufrieden
sind!
Nach allem, was ich im Internet gelesen habe, hätte ich mir nie ein
Spiegellinsenobjektiv / Spiegelteleskop gekauft. Ein Zufall sorgte dafür, dass es doch anders kam und ich dieses
"Objektiv" heute nicht mehr missen will. Nun möchte ich weitergeben, wie man mit einem Maksutov -Teleskop gute
Ergebnisse erzielt, und für wen es überhaupt geeignet ist.
Der Artikel beschreibt ausschließlich die Eigenschaften des "Objektives" im Einsatz als Teleobjektiv, z.B. bei der
Tierfotografie. Die hier aufgeführten Eigenschaften und Angaben sind größtenteils nicht auf die Astrofotografie
übertragbar. Obwohl die Angaben meiner Erfahrung nach auch auf andere Spiegellinsenobjektive (z.B. den Nikon
Spiegel) zutrifft, bezieht sich der Artikel auf das Maksutov MTO-11CA Spiegellinsenobjektiv, das mit Brennweite,
Preis und Abbildungsleistung in dieser Objektivkategorie ganz vorne mitmischt.
Der angesprochene Zufall verschaffte mir die Gelegenheit, das Maksutov Teleskop, auch Russentonne genannt, im
Tierpark Hellabrunn testen zu können. Nachdem ich am Computer die Ergebnisse gesichtet hatte, dauerte es nicht
lang, bis sich das Maksutov Teleskop auch in meiner Ausrüstung wiederfand. Dennoch möchte ich nicht behaupten,
dass so ein Spiegellinsenobjektiv das perfekte Instrument für den Fotografen ist.
Es sollte stets klar sein, dass sich Spiegellinsenobjektive von der Abbildungsleistung und auf Grund fehlender
Hilfsmittel, wie ein AF, nicht mit klassischen Teleobjektiven messen können (billige Einstiegsobjektive
ausgeschlossen). Der Hauptgrund, sich dennoch für ein solches Objektiv zu entscheiden, ist der Preis. Rund 200€
für 1000mm Brennweite, ist einfach nicht zu schlagen. Man zahlt mind. den dreifachen Preis, um mit Teleobjektiven
auf dieselbe Brennweite zu kommen. Möchte man gute Lichtstärke und Autofokus bei einer solchen Brennweite, dann
hat man unter 7.000€ gar keine Chance.
Fast schon eine Rarität ist diese solide Qualität russischer Ingenieurskunst.
Nicht gerade leicht, aber recht kompakt und robust. Das ist der erste Eindruck, den das Maksutov hinterlässt.
Das Maksutov Teleskop wurde für den Einsatz als Teleobjektiv und weniger für die
Astrobeobachtung entwickelt.
Diese Gene merkt man unter anderem in der Streulichtblende, die sich bequem ausziehen lässt und dank Filzpolsterung
fest und klapperfrei in der jeweiligen Position verbleibt. Der Kameraanschluss (M42/1 Gewinde) wurde für Zenit-
oder Praktica-Kameras ausgelegt.
Problemlos lassen sich über eine Doppeladaptierung alle üblichen Systemkameras daran betreiben.
Die Firma Teleskop-Service GmbH bietet für Interessenten alle benötigten Teile an. Darüber hinaus werden dort alle Teleskope auch noch mal
etwas präpariert.
Diese Tuning besteht aus der Entfernung des Fokusierlimits, über das Unendliche hinaus (für Astrofotografie
relevant) und dem Entspannen des Spiegels, was die Abbildungsleistung gegenüber der Werksversion in vielen Fällen
nochmals steigert.
| Optische Daten: | Frontöffnung: 100mm Durchmesser Brennweite: 1000mm Blende: F10 Fixblende Sichtwinkel: ca. 2 Grad |
|
| Aufbau: | Gehäuse: Metallausführung; 120mm Durschmesser x 240mm Länge Gewicht: 2,3 kg Optik: mehrschichtvergütete Gläser, Haupt- und Fangspiegel sind mit Quartzschutzschicht versehen Streulichtblende: Ausziehbare, festmontierte Streulichblende |
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| Fokussierung: | Manueller Fokus über das Drehen des vorderen Gehäuseteils |
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| Entfernungseinstellung: | Von 3 Meter bis Unendlich |
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| Anschlußgewinde: | M-42 x 1 mm Standardgewinde Anschluss von Spiegelreflexkameras und CCD Kameras über Adaptionen. |
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| Benötigte Adapter für Nikon oder Canon Kameras: | 1.) Adapter von M 42 auf T-2 Fotogewinde 2.) T-2 Adapterringe auf alle handelsüblichen Kameras |
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| Stativanschluß: | Über jeweils 2 x 1/4" oder 3/8" Anschlüsse |
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| Lieferumfang: | Maksutov Spiegelinsenobjektiv, Softcase Tragetasche, drei Aufschraubbare Filter (Klarglas und Farbfilter)
|
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Meiner Meinung nach überwiegend für Digitalkamerabesitzer, die gerne Tier-
und/oder Astrofotografie betreiben, auch mit dem eingeschränkten Aufnahmekomfort (Fokusierung,Belichtung usw.)
klar kommen und bereit sind, die geschossenen Fotos am Computer nachzubearbeiten.
Nicht zu empfehlen ist die Russentonne für Fotografen die gern schnell und einfach zu ihrer Aufnahme kommen
möchten oder die Tonne für dynamische Situationen, wie z.B. bewegende Tiere, verwenden wollen.
Tigerdame Leila ist sicher einer meiner Glanzstücke, welche mit dem Maksutov Spiegelteleskop geschossen wurden.
Um zu solchen Ergebnissen zu kommen, müssen aber eine Hand voll Dinge beachtet
werden.
Zuerst mal ein kleiner Überblick:
Typische Maksutov Fotografen erzielen ihre größte Ausbeute bei richtig
guten Lichtverhältnissen. Je mehr, je besser könnte hier die Divise lauten. Allerdings bedarf es noch ein wenig
mehr.
Zuerst die Ausrüstung:
Neben dem Spiegelteleskop sollte man eines unbedingt besitzen, ein stabiles Stativ! Ansonsten kann man sich alles
Weitere getrost sparen. Ebenfalls sehr praktisch ist ein Fernauslöser. Im Falle meiner D70 ist das eine
IR-Fernbedienung, bei anderen Kameras kommen meist Kabel- oder Funkauslöser zum Einsatz.
Weiterer Vorteil insbesondere bei wenig Licht, die Spiegelvorauslösung. Leider bei der D70 nicht vorhanden, die
Einsatzmöglichtkeit an dieser Kamera einschränkt.
Nicht unbedingt von Nöten, aber auf die Dauer praktisch, ist eine Art Stativschelle. Ich werde mir sowas mal bei
Gelegenheit anfertigen. Bisher hab ich einfach 2 Schnellkuplungsplatten direkt an die Russentonne geschraubt, was
bei meinen großen Schnellkuplungsplatten ganz gut funktioniert.
Wie erwähnt, ist ein gutes Stativ Pflicht. Freihandfotografieren ist bei der
Brennweite einfach unmöglich. Ein wackliges Billigstativ versagt erstens beim Gewicht der Kamera+Teleskop, zweitens
aufgrund der Verwacklungsunschärfe.
Die Schärfe ist der Knackpunkt beim Fotografieren mit dem Teleskop. Sie ist einer der Stärken und gleichzeitig die
große Schwäche. Zum einem muss manuell fokussiert werden, was den meisten Fotografen (mich eingeschlossen) nur dann
gut gelingt, wenn das Zielobjekt recht langsam unterwegs ist, besser noch still steht. Am schwierigsten ist aber
die Verwacklungsunschärfe zu vermeiden. Bei 1000mm Brennweite wirken sich kleine Wackler sofort dramatisch aus. Bei
guten Lichtverhältnissen (direkte Sonneneinstrahlung) und ISO 200 kommt man auf Belichtungszeiten zwischen 1/300
und 1/1000. Das reicht, um recht sicher scharfe Aufnahmen zu machen. Dennoch sollte man auch hier schon mit dem
Fernauslöser arbeiten.
Im Wald, wie z.B. bei meinen Luchsfotos, liegt die Belichtungszeit bei 1/4 bis 1/100 sec. Hier wirken sich
kleinste Erschütterungen massiv auf die Bildschärfe aus. Und diese erzeugt der hochklappende Spiegel bereits völlig
ausreichend. Ich hab mir eine Versteifungsstrebe von Manfrotto besorgt, die zwischen Kamera und einem Stativbein
angebracht wird. Diese kompensiert die fehlende Spiegelauslösung etwas, kann aber eine Spiegelvorauslösung nicht
ersetzten. Bei einer Belichtungszeit länger als eine 1/300sec sollte man auf SVA und Fern- bzw. Selbstauslöser
setzten, ansonsten lässt die Schärfe merklich nach. Aber auch bei kürzener Belichtungen, schaden diese Hilfsmittel
nicht.
Auch das zu fotografierende Objekt sollte stillstehen, sonst gibt es Schlieren.
Einen unschönen physikalischen Nebeneffekt unterliegen alle Spiegelteleskope.
Sie erzeugen, bei hellen Lichtern im Hintergrund, helle Kreiseffekte statt der gewohnten Punktförmigen. In den
meisten Fällen sind es nicht mal direkte Spitzlichter, die durch diesen Effekt ein Bild kaputt machen. Befinden
sich z.B. Zweige im Hintergrund, die von der Sonne angestrahlt werden, bilden sich wirre Spagetti aus überlappenden
Kreisen.
Ein Beispiel für diesen "Spagettieffekt" kann man bei dem rechten Bild gut sehen.
Betrachtet man nun die Problematik mit der Verwackelungsunschärfe, die manuelle Fokussierung / Belichtung und den
Spagettieffekt, könnte man schnell auf die Idee kommen, dass das Maksutov für den praktischen Einsatz weitgehend
untauglich ist.
Für den schnellen Schnappschuss mag dies zutreffen, aber auch nur da. Das
Teleskop zeichnet sich durch eine sehr gute Schärfe aus und hat eine sehr geringe Vignittierung.
Das Untere, der kleinen Fotos, zeigt einen 1:1 Ausschnitt einer Tigeraufnahme. Hier zeigt sich die Schärfeleistung
des Maksutov (ohne Spiegelvorauslösung). Das Fell wird mit seinen einzelnen Haaren voll erfasst. Richtig gut wird
die Schärfe bei Verwendung der Spiegelvorauslösung. Aufnahmen dazu kann man im
"Russentonne an der
D2x"- Bericht sehen. Nur die Farben und die Tonwerte sind hier noch nicht optimal.
Anfangs überlegte ich mit einem separaten Belichtungsmesser zu arbeiten um mit der fehlenden Belichtungsautomatik
an der Nikon D70 zurecht zu kommen. Nach ein paar Tagen hat man aber den Dreh schnell raus und kann recht
treffsicher einschätzen, wie lange man belichten muss. Dank der Vorschau an den Digitalkameras lässt sich dies ja
jederzeit überprüfen und korrigieren. An der Nikon D2x steht dagegen eine Color-Matrixmessung zu Verfügung, die
recht päzise Belichtungsergebnisse ermöglicht.
Das manche Kameras die Belichtungsmessung an der Russentonne unterstützen und andere wieder nicht, liegt an den
Sparmaßnahmen der Hersteller. Wärend in der Vergangenheit MF Objektive ohne CPU und elektrische Kontakte gängig
waren und die Kameras über spezielle Kupplungen die Objektivdaten wie z.B. die Blende abgriffen, wurde dies bei
den neueren Amateur DSLR´s einfach wegrationalisiert. Schließlich sind fabrikneue MF-Objektive am Aussterben. Das
die Kameras diese Kupplung für eine Belichtungsmessung an der Russentonne gar nicht bräuchten, da bei dem Maksutov
Teleskop Anfangs- und Arbeitsblende gleich ist, spielt keine Rolle. Die Softwareunterstützung wurde gleich mit
wegrationalisiert.
Möchte man im Vorfeld überprüfen, ob die eigenen Kamera eine Belichtungsmessung an Non-CPU Objektiven unterstützt,
sollte man ohne angesetztes Objektiv die Kamera in manuellen Modus schalten und prüfen ob die Belichtungskala (im
Sucher und oft auf dem kleinen Display oben) einen Wert anzeigt. Ist das der Fall, dann sollte die
Belichtungsmessung kein Problem sein.
Man muss dieses Objektiv eben mit Verstand einsetzten, dann erhält man schöne Fotos, die mit erschwinglichen
Ausrüstungen nicht möglich wären.