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Es gibt eine schier endlose Anzahl von Testberichten in Fachzeitschriften und Internet. Braucht man aber Informationen zu Produkten, die jenseits des "Mainstreams" liegen, sieht die Sache gleich ganz anders aus. So z.B. mit dem Nikkor 35mm 2.0 D Weitwinkelobjektiv. Für alle die noch nicht so richtig wissen, was sie von diesem Objektiv halten sollen, gibts nun ein paar Informationen aus meinen Fundus. Kein normierter Test, keine Testsieger, keine Kaufempfehlungen. Einfach nur meine Erfahrungen.



Erfahrungen mit dem Nikkor 35mm 2.0 D


Landschaft mit Nikkor 35mm

Vorwort

Gesucht ist eine kleine Weitwinkelfestbrennweite um die 30mm zum "durch die Maschen" fotografieren. Mit diesem Leitmotiv bin ich auf Suche gegangen. Die Auswahl im Bereich von 30-40 mm war nicht gerade umwerfend. Das Nikkor 28mm 1.4 wäre von der Brennweite für meine Zwecke wahrscheinlich auch in Ordnung gewesen, sprengte aber den finanziellen Rahmen. Tamron hatte nichts passendes im Sortiment. Sigma bleibt außen vor, hätte aber zu dem Zeitpunkt auch nichts passendes gehabt. Bleibt also nur noch Nikon. Das Nikkor 35mm schien dabei wie für mich gemacht zu sein. Schnell noch im Netz nachlesen was es taugt und .... .... .... Moment mal, da findet man ja kaum was. Ja hat das denn niemand? Egal, kann so übel nicht sein und ich brauche es dringend.

Damit zukünftige Nikonbesitzer nicht das Selbe durchmachen, hab ich mich entschlossen, mal meine Erfahrungen zu diesem Objektiv-Winzling zu nieder zu schreiben.



Technische Daten

Da hat man ja kaum was in der Hand für sein Geld! Das war mein erster Gedanke. Kleiner als ein 2x Konverter verschwindet des Nikkor schon fast an der ebenfalls nicht sehr bulligen D70. An der D2x geht es dann völlig unter. Eine Tatsache, die mir doch noch Probleme bereiten sollte.


Nikkor 35mm
Optische Daten:   Linsengröße: 30mm Durchmesser
Brennweite: 35mm
Blende: 2.0 - 22.0
Sichtwinkel: ca. 62 Grad
 
Aufbau:   Gehäuse: Plastikgehäuse mit Metallbajonett;
64mm Durchmesser x 43mm Länge
Gewicht: 205 g
Optik: 6 Linsen Standardglas
Filtergewinde: 52mm
 
Fokussierung:   AF/MF
 
Entfernungseinstellung:   von 25 cm bis unendlich
 
Lieferumfang:   Nikkor 35mm Objektiv, Anleitung, Objektivdeckel (v/h)

Handling Erfahrung

Es wirkt nicht gerade wertig, das viele Plastik auf kleinsten Raum. Zumindest die Rückwand samt Bajonettaufnahme ist aus Metall und wird somit auch bei häufigen Wechseln keine Probleme verursachen. Aufgrund der Größe kann man das Objektiv nicht in die Hand legen und dann fokusieren. Bei der D70 kein Problem aber bei größern Kameras z.B. mit Batteriegriff ist mir ein längeres Objektiv nicht unrecht. Zudem brauche ich es ja, um durch die Maschen von den Tiergehegen durchzufotografieren. Hat man die Linse am Zaun angelegt, kann man die Kamera nicht mehr am Griff halten, da einfach der Platz zwischen Zaun und Kamera aufrund des kurzen Objektives fehlt. Eine Tatsache, die zwar für die meisten nicht relevant sein drüfte, mir aber immer wieder Schwierigkeiten bereitet.

Wahre Freude kommt dagegen beim Fokus auf. Der Autofokus ist für ein nicht AF-S Objektiv schon fast verdächtig schnell. Die Geräuschkulisse ist natürlich nicht AF-S Niveau, aber dennoch dezenter als z.B. bei laut surrenden Sigma 105mm Makro. Manuell macht das Objektiv eher weniger Spaß. Zu leicht dreht der Fokusring, ist aber zumindest präzise.



Optische Leistungen

Anfangs war ich ziemlich verunsichert. Die Ergbnise der ersten Fotosession im Wildpark waren ziemlich ernüchternd. Das Fell der Tiere verwaschen, die Schärfe und Kontrast bei weitem nicht das, was ich vom Sigma Makro gewohnt bin. Bei weiteren Sessions nutzte ich dann Blenden zwischen F4-F9 und siehe da, das Ergebnis war doch wesentlich besser. Aber irgendwie immer noch nicht befriedigend. Ich konnte noch nicht klären ob es am falschen Fokuspunkt liegt. Mit der D70 hab ich ziemlich viel Ausschuss aufgrund des bescheidenen Autofokus.
Ohne unberechenbare Tiere, hab ich dem Objektiv im heimischen Studio auf den Zahn gefühlt. Hier sollte sich nun zeigen was das Nikkor leistet. Bei Blende 2.0 wirkt alles ein wenig zu "weich". Das Auflösungsvermögen ist sichtbar schlecht. Ich empfehle die offene Blende zu meiden so weit es das Licht zulässt.
Abbildungsverbesserungen beim Abblenden konnte ich bis Blende 8 feststellen. Ab da an baut das Bild wieder ab. Bei Blende 16 ist es schon wieder recht miserabel. Betreibt man das Objektiv jedoch zwischen F5 und F8, läßt es den Fotografen kaum Wünsche offen. Mit Leichtigkeit lässt es das Nikkor 18-70 in allen Belangen hinter sich. Obwohl man dieses auch nicht wirklich als Referenz anführen kann.
Auch in Punkto Vignettierung liefert das Nikkor durchaus erfreuliche Ergebnisse. Aber bevor ich anfange zu schreiben um wie viel Blendenwerte das Bild an den Ecken dunkler wird, zeige ich euch einfach paar Aufnahmen.

Die erste Reihe entstand bei Blende 2. Als Model stand hier eine kleine Holzpuppe, an deren Stoff man gut sieht wie stark sich die Blende auf das Auflösungsvermögen/Schärfe auswirkt. Hinzu kommt jeweils eine Aufnahme von einem Fotokarton um zu testen wie ausgeprägt die Vignettierung ist. Die zweite Reihe wurde mit Blende 8 fotografiert.


Puppe f2
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Ausschnitt Puppe f2
Vignette f2
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Das mittlere Bild zeigt jeweils einen unbearbeiteten 100% Orginalausschnitt von der Puppe. Unschwer läßt sich erkennen, wie schwach das Nikkor bei Blende 2 agiert. Und das schon an einer vergleisweise niedrig auflösenden D70. Die Schärfe wurde bei beiden Bilder auf "Normal" gestellt.

Der Fotokarton zeigt es: wenig Abschattung bei offener Blende. Abgeblendet wird dies noch getoppt.

Puppe f8
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Ausschnitt Puppe f8
Vignette f8
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Abgeblendet kann sich das kleine Nikkor deutlich steigern. Schärfe und Kontraste gehören dann zu den besten was der Objektivpark hergibt. Ebenfalls sehr solide schlägt sich das Objektiv bei Gegenlichtsituationen. Hier bevorzuge ich es auch Abseits der Gehegezäune dem AFS 17-55 2.8, das sonst wegen seiner Flexiblität oft den Vorrang bekommt.



Luchs

Fazit

In Sachen Offenblendenleistung bin ich von dem 35er Nikkor enttäuscht. Hier hätte ich mir ein Objektiv ähnlich dem 17-55 gewünscht, das schon bei Offenblende eine sehr gute Schärfe entfaltet.

Diese erhält man bei der kleinen Festbrennweite erst um1-2 Blendenstufen abgeblendet. Dann aber spielt der Winzling sein Karten aus.

Wer also ein sehr gutes Available Light - Objektiv sucht, sollte sich besser nach einen 30mm 1,4 AIS oder den Sigma 30mm 1.4 umsehen, alle anderen erhalten ein soliden kleinen Begleiter, das abgeblendet viel Freude bereitet und schon allein wegen dem geringen Gewicht ein typische "immer-dabei-Linse" ist.

 

 
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