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Drei Worte die nicht nur namens gebend für meine beliebte Poinger Fotoserie sind, sondern auch den Wildpark Poing am treffendsten beschreiben. Dabei bezieht sich Licht und Schatten nicht nur auf die wunderschönen Lichteffekte, die für den Wildpark so absolut typisch sind, sondern auch auf die Geschehnisse im Alltag. Aus dem Blickwinkel eines Fotografen erzählen diese Zeilen warum der kleine Park mich von Anfang an faszinierte und ich dort auch nach über einem Jahr noch unermüdlich meine Runden dreh.
Es waren Fotos und Erzählungen eines Freundes die mich neugierig machten, und so nutzte ich einen schönen Septembertag um den Poinger Wildpark das erste Mal zu erkunden. Fast schon kitschig präsentierte sich der Park an diesen Tag. Ein Meer aus Lichtflecken erstreckte sich über den Waldboden und beleuchtete die sich drin befindenden Tiere, wie bei einer Bühnenvorstellung. Ausschließlich mit Weitwinkel ausgerüstet, blieb die fotografische Ausbeute dennoch recht bescheiden – zum Glück denn so kam ich zwangsläufig bald wieder.
Nach den leidlichen Erfahrungen in anderen Zoos und Wildparks, fielen bei Poing
die schwarz lackierten Zäune ins Auge. Es stellt schon einen gewissen Aufwand dar, dies zu bewerkstelligen. Aber
es hat sich gelohnt. Dezenter kann man diese notwenigen Absperrungen wohl nicht gestalten. Doch so gut die Zäune
auch gestaltet sind, teilweise sind sie einfach zu eng verbaut. Genauer, die Gehege zu klein. Vor allem die Füchse
und Waschbären, haben nur sehr wenig Entfaltungsraum zur Verfügung. Das ist fast schon eine Schande, verfügt der
Wildpark Poing mit seinen rund 700.000qm doch über mehr als genügend Platz.
Zumindest den Besuchern entgegenkommend ist dagegen die fehlende zweite Absperrung, die von vielen Parks eingesetzt
wird, um die Besucher vom eigentlichen Gehegezaun fern zu halten. Somit kommt man näher an die Tiere heran und kann
sie auch aus ungewöhnlichen Perspektiven fotografieren.
Und zu fotografieren gibt es in Poing genug, den die Liste der vorhandenen Tiere wächst kontinuierlich. So finden
sich Wölfe, Wisente, Luchse, Damwild, Rehwild, Eulen und Greifvögel, Wildschweine, Füchse, Eichhörnchen und noch
viele mehr, vor der Linse wieder. Sie abzulichten ist nicht immer einfach – denn die Spotlichter im ansonsten
relativ dunklen Wald machen eine korrekte Belichtung vor allem dann schwierig, wenn sich das helle Bauchfell der
Luchse dazu paart. Und hat sich die Sonne erstmal verabschiedet, ist auch die Möglichkeit guter Fotos erstmal
vorbei. So verliefen die verregneten Monate die dem schönen September folgten recht ruhig und ich besuchte nur
sporadisch den Wildpark.
Die Tage wurden kürzer und der Wildpark Poing weiß. Scheinbar wissen nur die
wenigsten, was sie dort im Winter erwartet. Vielleicht ist das auch gut so, denn es ist nicht nur die idyllische
Landschaft, sondern auch die einkehrende Ruhe, die jene Zeit unvergesslich macht.
So geschah es nicht selten, dass ich bei meinen täglichen Streifzügen völlig allein im Park wanderte. Und im
Gegensatz zu den ausbleibenden Besucherströmen bot die Tierwelt dabei allerhand Abwechslung.
Hasen die sich Sprung für Sprung durch den Tiefschnee kämpften – nur um bei jeder Landung wieder bis über beide Ohren im Schnee zu versinken. Bussarde die auf der Suche nach Nahrung im Tiefflug durch den Wald streiften. Oder das Wolfsrudel das mich jedes mal freudig begrüßte.
Und das tat es mit vollem Einsatz. Es wirkt schon fast surreal, wie zutraulich Wölfe werden können. So verwundert es mich nicht mehr, dass der treuste Freund des Menschen aus dem Wolf entstanden ist.
Hauptgrund für den engen Bezug des Poinger Rudels zum Menschen war der Alphawolf
"Krümel". Vom renommierten Wolfsforscher Eric Ziemen mit der Flasche aufgezogen, war dieser Wolf, sofern er einen
kannte, enorm zutraulich. Er allein war das Bindeglied zwischen Mensch und dem ansonsten recht wilden Rudel. Ein
sehr charismatischer Wolf dessen Eigenschaften hier aufzählen diesen Artikel sprengen würde.
Neben Krümel zeigten auch Ida (die Alphawölfin) und Jonathan (Krümels und Idas Nachwuchs) ein gewisses eigenes
Interesse. Lang nicht so ausgeprägt wie bei Krümel aber doch ausreichend um mir immer wieder hinterher zu laufen.
Wobei ich gerade bei Jonathan des öfteren das Gefühl bekam, das dessen Interesse eher meiner Fotoausrüstung galt,
als mir. So erwischte ich ihn dabei, das er sich bereits einen halben Meter in die Erde eingegraben hatte nur um
unter dem Zaun hindurch an mein abgelegtes Makro-Objektiv ranzukommen.
Fast täglich verbrachte ich meine Zeit im tiefen Schnee bei den Wölfen. Das Eindrucksvollste Erlebnis war ein
Wolfskonzert in der stockfinsteren Nacht. Ich konnte die Wölfe nur noch mit der Taschenlampe sehen, doch in
diesem Moment schaltete ich sie aus. Das Rudel breitete sich nur einen halbem Meter vor mir aus und begann
leidenschaftlich anzustimmen. Es ist nicht möglich das Gefühl zu beschreiben, dort in völliger Dunkelheit den
lauten eindringlichen Klängen zu lauschen – es war aber sicher einer der Erfahrungen die für meine ungebrochene
große Faszination für Wölfe gesorgt haben.
Mit dem Ende meiner täglichen Besuche (auch ich musste mal wieder produktiv zu
Werke gehen) ging auch in Poing eine Ära zu Ende. In der letzten Februarwoche passierte, womit keiner gerechnet
hatte. Krümels eigener Nachwuchs Jonathan, trug mit seinen Vater ein Kampf um die Vormachtstellung im Rudel aus
und damit auch um das angestrebte Paarungsrecht.
Diesen lang andauernden hart umkämpften Kampf gewann Jonathan, jedoch gab er sich mit der Unterwerfung Krümels
nicht zufrieden. Über Wochen hinweg suchte Jonathan den ehemaligen Alphawolf auf, um immer wieder mit Gesten und
ernsthaften Attacken seine frisch gewonnene Vormachtstellung zu festigen.
Es brauchte seine Zeit bis Krümel seine Position am Ende der Rangkette endgültig akzeptierte, aber es änderte
nichts an daran, dass Jonathan immer wieder aufs Neue aufmarschierte. Im Laufe der Wochen verletzte er dabei
Krümel so schwer, das dieser sich nur noch langsam humpeln fortbewegen konnte.
Aufgrund der ständigen Verletzungen die ihm Jonathan zufügte und mangelnder Versorgung mit Nahrung und Wasser
(beides im Gehege vorhanden, bloß kam Krümel kaum noch dahin) verschlechterte sich sein Zustand Tag für Tag. Es
war eine Zeit in der nicht nur Krümel litt, sondern auch die Menschen die ihn lieb gewonnen hatten. Und so wurden
die Proteste und Anfragen in Richtung Parkleitung immer zahlreicher und lauter. Es war abzusehen, dass Krümel
nicht überleben würde, wenn man ihn nicht schnell vom Rest des Rudels separiert. Außerdem gab es zeitgleich auch
schwere Auseinandersetzungen zwischen den anderen Wölfen, bei den sie sich untereinander schwere Verletzungen
zufügten. Ein entschlossens Einschreiten war dringend nötig.
Doch Handlungen blieben lange Zeit aus. Erst Mitte April, nachdem Krümel schon viele Wochen leiden musste und am
Ende seiner Kräfte war, schritten die Verantwortlichen des Wildparks ein. Was sich dabei tatsächlich abspielte
bleibt Außenstehenden wohl für immer vorenthalten, aber es endete mit Krümels Tod.
Manche fanden Trost darin, dass Krümel es wenigstens hinter sich gebracht hatte und nun seinen Frieden hat.
Andere haben seit diesem Tag aus Protest nie wieder ein Fuß in den Wildpark Poing gesetzt. Von meiner Seite
bleiben schwere Vorwürfe gegen die Parkleitung bestehen, die Auszuräumen es mehr als nur Zeit benötigt.
So schrecklich die Geschehnisse um Krümels Tod waren, es sollte nicht dabei bleiben. An jenem Platz, an dem sich die Wölfin Momo im Gehege ständig aufhielt, weil die Alphawölfe sie dort in Ruhe ließen, wurde ein kleiner Gehegebereich hingebaut um die Wölfe separieren zu können. Als Folge dessen musste Momo diesen Platz aufgeben und sich an anderer Stelle niederlassen, was aber die Alphawölfe nicht akzeptierten. Und so lieferte sich Momo mit Ida (Alphafähe) und Jonathan (Alpharüde) einen erbitterten Kampf, den sie letzenendes mit ihren Leben bezahlte.
Im Kontrast zu den traurigen Abläufen, welche die Stimmung trübten, hielt der
Frühling Einzug. Und mit ihm startete auch die Greifvogelshow. Es war eine willkommene Abwechslung, denn die
innigen Zeiten mit Krümels chaotischer Truppe waren seit seinem Tod vorbei.
Die Greifvogelschau des Wildparks Poing ist so eine Art Sommerattraktion. Durchgeführt vom selbstständigen
Falkner R. Meyer bietet sie mehr als nur Motive für Fotografen. Ich gebe zu, spätestens nach dem dritten Mal
kannte ich das in der Show vermittelte Fachwissen in- und auswendig und könnte wohl, wenn auch nur mit Pappvögeln,
die Show selber abhalten. Es macht dennoch immer wieder Spaß zuzusehen denn es sind Tiere und die sind auch in
Gefangenschaft nur begrenzt kontrollierbar. So darf man dann schon mal bestaunen wie Gänsegeier Willi die Hose
seines „Herrchen“ zerreist oder einer der Falken sich ein Duell mit den Krähen liefert, statt bei der Show
mitzumachen.
Obwohl die Greifvogelschau zu den Besten zählt, die ich auf meinen Touren durch Deutschland miterlebt hab ist es sehr schwierig bei dieser gute Aufnahmen zu bewerkstelligen. Das liegt nicht an der mangelnden Action sondern vielmehr an der Umgebung (Zäune, Bänke, viele Zuschauer etc.). Aufgegeben hab ich es aber nie, so wurde ich das eine oder andere Mal belohnt wurde. Wer sich ebenfalls versuchen möchte, dem empfehle ich die Nachmittagsvorstellung. Bei dieser hat man die Sonne seitlich im Rücken und kommt nicht so oft in die missliche Lage gegen das Licht zu fotografieren.
Im April bekam dann der Wildpark meine persönliche Hauptattraktion. Vier
knuffige Jungluchse sorgten erst sehr tollpatschig und dann immer selbstsicherer für viel Spaß und eine Menge
schöner Fotos. So richtig fotogen waren sie Anfangs aber überhaupt nicht. Möglichst weit weg von den Umzäunungen,
suchten sie in den meist dunkleren Gehegebereichen Schutz bei Mama. Dies führte dazu, dass erst mit zunehmenden
Alter der Kleinen, die Ausbeute stieg. Ein Erlebnis zum Anschauen, war es aber meistens. Wer schon mal kleine
Kätzchen beim Raufen untereinander und mit Mama beobachtet hat, wird verstehen was ich meine. Nie werde ich
vergessen, wie einer der Halbstarken seiner Mama immer wieder genüsslich in den Stummelschwanz biss, so dass
diese letztendlich entnervt die Flucht ergriff.
Die Monate des Hochsommers erwiesen sich im Nachhinein als beste Zeit für Luchsfotos. Fast schon mit
hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit wurden die Luchse am Abend aktiv und das Licht reichte noch aus um bis
20:00 Uhr seine Aufnahmen zu schießen. Die Tatsache, dass der Park nicht nur täglich geöffnet hat, sondern
die Möglichkeit bietet, sich auch nach offizieller Schließung im Park aufzuhalten, erfreut mich dabei immer
wieder.
Es ist nicht möglich zu den Luchsen zu gelangen, ohne das Wolfsrudel zu
streifen. Und obwohl ich so oft daran vorbei schlenderte, sah ich nur selten Leben im Gehege. Vielleicht werden
mir manche Leute jetzt widersprechen und von Rangkämpfen und sonstigen Erlebnissen berichten, aber das meine
ich nicht. Es fehlt das soziale Leben im Rudel. Der neue Alpha Jonathan regiert das Rudel mit Gewalt und
permanenten Machtdemonstrationen. Gemeinsames agieren, oder sich mal schützend über die Schwachen stellen,
wie es Krümel einst tat, sieht man kaum noch. Stattdessen verfügt jeder Wolf (bis auf die beiden Alphas) über
seinen eigenen kleinen Bereich und harrt dort so gut es geht still aus. Es ist ein Haufen Wölfe, deren einzigste
Gemeinsamkeit das gemeinsame Gehege ist.
Freunde und ich nehmen uns dennoch die Zeit, uns immer wieder etwas mit den Wölfen zu beschäftigen. Meist
springen Ida und ihr Jüngling schnell drauf an und gesellen sich zu uns. Überschwängliche Begrüßungen wie einst,
bleiben dabei aber aus – schade ich misse sie sehr.
Sollte die Lage bei den Wölfen mit der kommenden Ranzzeit wieder eskalieren, steht diesmal zur Separation nicht nur der kleine abgegrenzte Bereich, sondern auch das brandneue Bärengehege zu Verfügung. Und das kann man nur als gelungen bezeichnen. Künstliche Hügel, eingebettete Wasserstellen, natürliche Waldschneisen und sehr viel Platz sind die Eckdaten des neuen potentiellen Besuchermagneten. Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist das Gehege noch nicht ganz fertig gestellt und es wird noch ein paar Monate dauern bis die neuen Hausherren ihr Quartier beziehen. Ob es dann statt Luchsen und Wölfen viele Braunbärenfotos geben wird, wird die Zeit zeigen.