ITS-Network Sonderthemen Erlebnisberichte Poinger Wlfe Seite 1

 

Die Poinger Wlfe


Welpe
Wolfswelpe                 © Steffi Heufelder

Am 02. Mai 2000 wurden im Wildpark Lohberg (Bayerischen Wald) neun Wlfe geboren. Wie auch sie, waren ihre Eltern in Gefangenschaft geboren und aufgewachsen, whrend die Groeltern aus der Wildnis der Hohen Tatra (Karpaten) in der Slowakei stammten.
Leider konnten nicht alle Welpen in dem Gehege bleiben, da es fr die eh schon groe Zahl an Wlfen ber kurz oder lang zu klein zu werden drohte. Also blieb der Parkleitung nichts anders brig als fr den Groteil der Welpen ein neues Zuhause zu suchen. Sollte ihnen das jedoch nicht gelingen, mssten die Kleinen gezwungenermaen gettet werden. Doch da meldete sich der Wildpark Poing, der kurz zuvor sein neues Wolfsgehege fertig gestellt hatte und wollte sechs der kleinen Wlfe haben. Die kleinen Wlfe waren aber mit einem Alter von zwei Wochen noch viel zu jung, um allein auszukommen. Zumal sie eigentlich noch von der Mutter gesugt wurden. Daher fragte der Wildpark Poing bei dem renommierten Wolfsverhaltensforscher Dr. Erik Zimen an, ob er sich um die Welpen kmmern wolle. Dr. Zimen erklrte sich dazu bereit und holte die Wolfswelpen zu sich auf seinen Hof in der Nhe von Passau, wo er sie im Rahmen seines laufenden Forschungsprojektes aufzog. Zu diesem Zeitpunkt konzentrierten sich seine Forschungen auf die Zhmung des Wolfes, wie sie einst vor ca. 15.000 Jahren am Ende der Eiszeit stattgefunden haben musste und dabei das mit dem Menschen am engsten verbundene Haustier der Hund entstand.
Um die Welpen fr die Aufzucht und seine Aufzeichnungen besser unterscheiden zu knnen, gab er den beiden Rden die Namen Krmel und Michel und die vier Fhen nannte er Ida, Lina, Momo und Ronja. Namen die allesamt aus den Romanen von Astrid Lindgren stammten.

Nachdem die sechs jungen Wlfe dann aus dem "Grbsten" heraus waren, bezogen sie ihr endgltiges Zuhause im Wildpark Poing.
Auf Dr. Zimens Wunsch wurde eine weitere Wolfsdame Namens Zora aus Innsbruck in den Poinger Wildpark geholt. Die bereits 13jhrige Wlfin, die frher selbst Junge gehabt hatte, bernahm fr die jungen Wlfe die Rolle der Ersatzmutter und verbrachte zugleich ihren Lebensabend wieder in Gesellschaft, nachdem ihr Partner in Innsbruck verstorben war.
Doch die Gebrechen des Alters machten der Wlfin schon sehr zu schaffen, so dass sie bald nach ihrer Ankunft im Wildpark Poing eingeschlfert werden musste.


Heulende Woelfe
Das tgliche Konzert

Auch ohne ihre Ersatzmutter schlugen sich die sechs jungen Wlfe wacker und wurden schlielich erwachsen. Krmel war von Anfang an der Alpha-Wolf der Truppe, da sein Bruder Michel nie Ansprche darauf erhob. Ihm gengte es einfach einen sicheren Platz im Rudel zu haben. Anders war es da schon bei den weiblichen Wlfen den Fhen.
Besonders zwischen der Alpha-Wlfin Ida und Ronja tobte ein ewiger Kampf. Whrend die zaghafte Lina nie eine Gegnerin darstellte und deswegen vermutlich auch zeitweise von der Alpha-Wlfin akzeptiert wurde, hatte es Momo schon schwerer. Immer wieder wurde sie von Ida angegangen, sobald sie es wagte sich aus ihrer Ecke des Geheges zu trauen. In den ersten Jahren war sie noch immer bei den Besuchern am Zaun zu sehen, zog sich aber aufgrund der stndigen Attacken der Alpha-Wlfin immer weiter zurck.


Jonathan und Peter
Jonathan und Peter               © Steffi Heufelder

Rund zwei Jahre nachdem der Wildpark Poing das Wolfsgehege gebaut hatte, wurde verkndet, dass am 20. Mai 2002 die Alpha-Wlfe Krmel und Ida ihren ersten Nachwuchs zur Welt gebracht hatten: Jonathan und Peter. Aber im Gegensatz zu ihren Eltern, die durch Dr. Zimens Forschungen Menschengeprgt waren, zeigten sich die beiden jungen Wlfe den Besuchern des Poinger Wildparks etwas scheuer und trauten sich vor allem in den ersten Lebensmonaten nur selten an den Zaun.
Ob es dann 2003 wieder Nachwuchs gab, konnten wir bis heute nicht in Erfahrungen bringen. Dafr kennen wir den 2004er Wurf umso besser: Die drei kleinen Wlfe Rico, Lobo und Filou wurden schon nach wenigen Tagen von ihrer neuen Ziehmutter Tanja Askani abgeholt und fanden ein neues Zuhause im Wildpark Lneburger Heide.


Rico, Lobo und Filou
Rico, Lobo und Filou ausgewachsen                 © Tanja Askani

Doch zu Beginn des Jahres 2005 ging im Wolfsgehege des Poinger Wildparks eine ra zu Ende. Wie die vorangegangen Winter wurde die Alpha-Wlfin lufig. Was natrlich wie jedes Jahr bei den Wolfsrden das starke Bedrfnis weckte, sich zu paaren und fortzupflanzen. Dieses Privileg gebhrte seit je her nur dem Alpha-Wolf, was ein sehr angespanntes Verhltnis zu den anderen Rden erzeugte.
Im Poinger Wildpark war dies bisher kein groes Problem gewesen, da es ja nur zwei geschlechtsreife Wolfsrden gab, die sich ber die Rangordnung einig waren. Doch in diesem Winter hatten auch die beiden jungen Wlfe das Alter der Geschlechtsreife erreicht. Der strkere der Beiden Jonathan forderte seinen Vater zum Kampf um die Rangordnung und das Paarungsrecht. Krmel, der sich seiner Position als Alpha-Wolf noch nie so ernsthaft behaupten musste, unterlag bei diesem lang andauernden Kampf. Nicht weil er der schwchere war, sondern wegen der fehlenden "wilden" vielleicht auch "brutalen" Zge in seinem menschengeprgten Charakter.
Somit wurde Jonathan mit allen ihm zustehenden Privilegien der neue Leitwolf. Aber damit nicht genug. Offensichtlich fhlte er sich weiterhin von Krmel bedroht und griff ihn immer wieder an, um seinen neuen Rang weiter zu festigen. Sowohl wegen den Verletzungen, die die Angriffe mit sich brachten, als auch die wenige Nahrungs- und Wasseraufnahme, hatten den ehemaligen Alpha-Wolf sehr geschwcht. Viele Besucher des Poinger Wildparks, als auch Angestellte, die Krmel wegen seines charismatischen Wesens ins Herz geschlossen hatten, machten sich groe Sorgen um sein Wohl.

Kruemel verletzt
Der schwer verletzte Krmel

Doch die Zeit schritt ins Land und keiner konnte sich zu Manahmen entschlieen. Und so wurden es die bittersten Wochen, als der einstig so stolze Leitwolf, langsam sein Ende fand.
Als dann nach 6 Wochen seitens der Parkleitung eingegriffen wurde, war es zu spt. Krmel verstarb im noch jungen Alter von 5 Jahren.

Aber das Trauerlied des Poinger Wolfsrudels war damit noch nicht zu Ende. Im Gegenteil, nun wo der ehemalige Alpha-Wolf tot war, zerbrachen die Strukturen vllig und Aggression und Unterdrckung waren von jenem Tag an bestimmend fr das Rudel.
Der neue Alpha-Wolf Jonathan regierte das Rudel mit roher Gewalt und permanenten Machtdemonstrationen. Einzig zu seiner Gefhrtin, der Alpha-Wlfin Ida konnte er zrtlich und zuweilen sogar verspielt wie ein kleiner Welpe sein.

Die Paarungsversuche zu Beginn des Jahres zeigten langsam Frchte: Ida begann sich zu einem richtigen Pummelchen zu entwickeln. Ob es sich dabei nun noch um Krmels oder schon um Jonathans Nachwuchs handelte, war schwer zu sagen. Denn nach der Niederlage des charismatischen Alpha-Wolfes, hatte sich auch Jonathan fleiig darum bemht Nachkommen zu zeugen.


Momo
Momo                 © Steffi Heufelder

Zur selben Zeit, als Krmel starb, wurde in jenem Teil des Geheges, in dem sich die Wlfin Momo vor den Attacken der Wlfin Ida zurckgezogen hatte, ein kleineres Gehege hineingebaut, um die Wlfe bei Bedarf separieren zu knnen. Da fr Momo dort nun kein Platz mehr war, musste sie sich einen anderen Ort im Gehege suchen. Dieser Standortwechsel wurde aber von der Alpha-Wlfin nicht toleriert. Immer wieder versuchten Ida und auch Jonathan die als Auenseiterin geltende Wlfin durch ihre Angriffe in ihr altes Terrain zurck zu treiben. Schlielich, nach zahlreichen erbitterten Kmpfen, bezahlte die verzweifelte Momo im Mai 2005 dafr mit ihrem Leben.

Zeitgleich htte Ida auch die Jungen zur Welt bringen mssen. Doch bis auf den dicken Bauch, der pltzlich wieder schlank war, gab es keine Anzeichen von Neugeborenen. Nach mehrmaligen Anfragen bei der Leitung des Wildpark Poings, bekamen wir nur eine vage Antwort: Sie seien weggegeben worden.


Ida und Ronja
Ronja setzt sich gegen Ida zu wehr

Nach dem zweiten Todesfall in krzester Zeit und dem "Verlust" der Welpen, wurde es allmhlich wieder ruhiger. Die heien Sommermonate begannen und mit ihnen kam die Trgheit der Wlfe. Doch schon im folgenden Winter begann das ganze "Spiel" wieder von vorn: Ida wurde wieder lufig und Jonathan bemhte sich nach Leibeskrften Nachwuchs zu zeugen. Nebenbei lieen die beiden Alpha-Wlfe ihre Aggressionen wieder an einen der rangniedrigeren Wlfe aus. Diesmal war es Ronja, die seit jeher in Idas Augen die ernsthafteste Kontrahentin unter den Fhen war. Diese Kmpfe waren so arg, dass sich die Besucher des Poinger Wildparks sorgen um die Wlfin machten und sich an die Verantwortlichen wendeten. Nach dem letzten Mal, um einiges an Erfahrung reicher geworden, handelte die Parkleitung schneller. Sie verlegten die schwer angeschlagene Wlfin in das kleine Gehege, damit diese sich von den Attacken erholen knne. Doch die "Hilfe" kam zu spt. Anfang April starb Ronja. Laut der Leitung des Wildparks Poing soll die Wlfin zum einen an den Wunden und zum anderen an den Stress, der die fremde Umgebung bei ihr auslste, verstorben sein.


Ida
Ida ist trchtig

Jetzt waren von dem einst achtkpfigen Rudel nur noch fnf Wlfe brig: Die Alpha-Wlfe Jonathan und Ida, Peter, Lina und der ruhige Michel. Daher beschloss die Parkleitung den nchsten Wurf, der sich mittlerweile sichtbar durch Idas geschwollenen Bauch zeigte, zu behalten. Auerdem hofften sie, dass sich durch die Welpen auch die Aggressionen im Gehege etwas legen wrden, denn nach Ronjas Tod waren es nun Lina und Michel die abwechselnd unter den Attacken der Alpha-Wlfe zu leiden hatten.

Mitte Mai mussten die Welpen geboren worden sein, denn Ida war von einen Tag auf den anderen wieder schlank. Doch entgegen dem in Bchern geschilderten Verhalten, trieb sich die Alpha-Wlfin im Gehege herum und schien sich nicht um die Welpen zu kmmern. Auch nach 6 Wochen (die Zeit in der die kleinen Wlfe normalerweise die Hhle verlieen) war von den Welpen nichts zu sehen. Die Verantwortlichen des Wildparks haben bisher keine Stellung zu dem Verbleib der Wolfswelpen genommen. Aber es ist anzunehmen, dass falls die Wolfswelpen bei der Geburt berhaupt lebensfhig waren, sie von der Mutter nicht angenommen wurden und somit in einer der Hhlen klglich verhungerten.


Jonathan, Ida und Peter
Ida, Jonathan und Peter

Man konnte sagen dass mit Krmels Tod auch das Wolfsrudel gestorben war, da man den vorherrschenden Zustand kaum noch als solches bezeichnen konnte. Es fehlte das fr ein Wolfsrudel typische soziale Verhalten untereinander. Da gab es nur noch die beiden sehr autoritren Alpha-Wlfe Jonathan und Ida und Peter den man noch dazuzhlen konnte, da er sich immer wieder und sehr erfolgreich bei den beiden Alphas ein schleimte.
Lina, die durch die Attacken schlimme Wunden davongetragen hatte, war kaum noch im Gehege zu sehen. Aus lauter Angst vor weiteren Angriffen hatte sie sich in einer Hhle versteckt.
Michel wurde ebenfalls stark attackiert und versuchte sich wenigsten ein bisschen den Rcken freizuhalten, in dem er sich in einer der Erdkuhlen direkt am Zaun verkroch.



Michel und Lina
Michel und Lina in ihrem neuen Zuhause, dem Brengehege

Nach lngerer berlegungsphase und Verzgerungen, wurden die beiden unterdrckten Wlfe Ende 2006 in das fertiggestellte Brengehege umgesiedelt. Nach dieser Aktion ging es im alten Wolfsgehege sehr unruhig zu. Aufgeschreckt durch die ganzen Aktivitten der Parkmitarbeiter whrend des Umzugs oder aber vielleicht auch weil die zwei "Prgelknaben" einfach nicht mehr aufzufinden waren, liefen die drei verbliebenden Wlfe Jonathan, Ida und Peter nervs und rastlos durch das Gehege. Aber schlielich hatten sie sich an die neue Situation gewhnt und es ging tatschlich etwas ruhiger und weniger aggressiv zu.

Lina und Michel hatten sich dagegen recht schnell an ihre neue Bleibe gewhnt und jeder, der die beiden etwas nher kannte, konnte sehen das die dauernde Anspannung, unter der sie im Wolfsgehege standen, von ihnen abgefallen war. Gelassen liefen sie durch das riesige Brengehege oder lagen im Gras und lieen sich die Sonne auf den Pelz brennen.




 
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